Selbst­verständnis

Die Distel ist ein Zentrum für alternative Kultur und Politik in Bamberg. Wir wollen ein Ort zum Sein bieten, Widerständigkeit Raum geben und kreatives Ausleben möglich machen.

Dieses Selbstverständnis hat sich das Kollektiv der Distel in einem Konsensprozess im Februar 2025 gegeben, ausformuliert später im Jahr. Wir betrachten den Text nicht als fertig, sondern als einen ständigen Prozess.

Die Distel ist ein Kollektiv an Menschen, die einerseits eine alte Kneipe in der Kunigundenruhstraße 8 mit Gastraum, Nebenraum, Küche, Lager und Innenhof gemietet hat und betreibt, und zugleich auch ein politische Gruppe, die Veranstaltungen organisiert und unterstützt. Wir verstehen uns als Infrastrukturprojekt, haben aber auch Arbeitskreise, die inhaltlich arbeiten.

Strukturiert sind wir in Arbeitskreisen und einem regelmäßigen großen Plenum. Die Arbeitskreise haben teilweise Autonomie, bestimmte Dinge müssen aber mit dem Plenum abgesprochen werden. Die genauen Strukturen sind ständig im Wandel und Aushandlung und werden in einem Beschlussprotokoll festgehalten.

Wir richten unser kollektives Handeln nach Prinzipien aus, dazu zählen Antifaschismus, Feminismus und Solidarität. Wir stellen uns aktiv gegen jede Diskriminierung und haben einen Awareness-Leitfaden, der in unserem Räumen und auf unseren Veranstaltungen Gültigkeit hat.

Wir sind unabhängig von Parteien, Dachorganisationen, Staat und Kirche und finanzieren uns über Fördermitglieder und Spenden. In unserem Projekt geht es auch um Gemeinschaft, wir versuchen gegenseitige Hilfe, Mitgefühl, Inklusion und Fürsorge zu leben. Wir unterstützen und nutzen Open-Source-Programme und Initiativen. In unseren Räumen gibt es keinen Konsumzwang!

Unsere Ziele sind es politischen Kampf und Bewegungen zu stärken durch Bereitstellung von Infrastruktur und Ressourcen, Vernetzung von Akteur*innen und das Leben einer selbstverwalteten Utopie. Wir hoffen, dass unser Projekt zur Bildung, Politisierung und Agitation beiträgt, auch indem es Handlungsansätze aufzeigt und Selbstwirksamkeit ermöglicht.

Wir glauben, dass die Art wie wir persönlich miteinander umgehen wichtiger Teil der gelebten Utopie ist. Deswegen ist die Distel ein safer space1, indem wir lieb und achtsam miteinander umgehen, unsere Beziehungen nachhaltig und sowohl fürsorglich als auch selbstfürsorglich gestalten und mit einander nachsichtig sind. Wir schaffen Raum für Gefühle und gehen Belastungen gemeinsam an.

Strukturell schaffen wir eine Grundlage für einen guten Umgang miteinander, indem wir konsentorientiert und hierarchiearm arbeiten. Wir hören auch leise Stimmen. Transparenz, klare Kommunikation und Selbstverantwortung sind Grundlagen dessen was wir tun.

In unserem Weiterbestehen als selbstverwaltetes Zentrum möchten wir selbsterneuernd agitieren und uns Offenheit und Flexibilität bewahren. Unser Ziel ist es, resiliente Strukturen unabhängig von politischen Verhältnissen zu schaffen und langfristig Ausgangspunkt neuer Projekte und gesellschaftspolitischen Handelns zu sein.

  1. Zur Erklärung: Lange war der Begriff safe space, also sicherer Raum, gängig für Orte, die eine Umgebung schaffen möchten, in der Gewalt und Diskriminierung keinen Raum haben. Wir verwenden hier den Begriff safer space, also mehr sicherer Raum: Damit drücken wir unser Bemühen aus, auf einen safe space hinzuarbeiten, ziehen aber gleichzeitig in Betracht, dass das in unserer gegenwärtigen Gesellschaft eine Utopie ist. ↩︎